Historisch und modern

Knapp 300 Meter lang, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und reich an Geschichte: Die Postgasse verbindet mittelalterliches Erbe mit zeitgenössischer Innovation. Hier gibt es viel Spannendes zu sehen und zu erfahren.

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So kam die Postgasse zu ihrem Namen

Ursprünglich hiess sie Hormannsgasse, benannt nach einer Berner Familie, die dort von 1224 bis 1326 lebte. Ihren heutigen Namen erhielt die Postgasse erst 1798 – von der Fischerpost, deren Gründer Beat Fischer 1675 den angeblich schnellsten und zuverlässigsten Postdienst Europas gründete. Seine Posthäuser (Nr. 64/66) sind heute als Kulturerbe von nationaler Bedeutung geschützt.

Verschont von Bränden seit 1384

Weil die Postgasse seit über 600 Jahren keinen Grossbrand erlebt hat, ist die vorbarocke Bausubstanz zum grössten Teil noch erhalten.

Die Antonierkirche

An der Postgasse 62 verbirgt sich hinter Spitzbogenfenstern eines der wichtigsten spätgotischen Baudenkmäler Berns: Die 1494 erbaute Antonierkirche war Kirche und Spital zugleich. Seit 1956 ist das Gebäude Heimat der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bern.

Drei Brunnen, drei Geschichten

Berns ältestes Baudenkmal: der Lenbrunnen

Versteckt im Keller der Staatskanzlei an der Postgasse 68, liegt der um 1252 erbaute Lenbrunnen. Im Mittelalter versorgte er Bern mit Trinkwasser; er ist das älteste Baudenkmal in der Altstadt. Entdeckt wurde er erst 1992. Heute kann er während der Bürozeiten frei besichtigt werden – ein echter Geheimtipp!

Selbst zur Brunnenfigur werden: am Kronenbrunnen

Seit mindestens 1732 steht vor der Staatskanzlei der Kronenbrunnen. 1992 ergänzte der Künstler Carlo E. Lischetti den Brunnen mit einer Treppe hoch zur Säule, auf der bewusst keine Figur steht. Passant:innen sind eingeladen, selbst hinaufzusteigen.  

Der Maybrunnen

Vor dem Haus Postgasse 31 steht der Maybrunnen, erstmals im Jahr 1696 erwähnt. Er ist einer von zwei aktiven Brunnen in der Gasse.

«Die grünste Gasse der Schweiz»

2023 startete das Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern gemeinsam mit Anwohnenden ein partizipatives Experiment zur Begründung der Postgasse mit heimischen Pflanzen. Das Ziel: die grünste Gasse der Schweiz zu werden. Bepflanzt wurden Fenstersimse, Aussenflächen und Arkaden. Heute zeigt sich: Die Postgasse hat mit 251 Pflanzenarten die höchste Biodiversität aller Altstadtgassen, der Grünflächenanteil hat sich fast verdoppelt, und über 90 Prozent der Anwohnenden nehmen die Gasse als deutlich grüner wahr. Im Herbst 2025 wurden die Pflanzen an die Anwohnenden übergeben.